US-Außenminister Marco Rubio hat zu einem gemeldeten Schusswechsel vor der Küste Kubas betont, dass die Vereinigten Staaten alle verfügbaren Informationen unabhängig überprüfen. Die USA stützten sich derzeit weitgehend auf Angaben kubanischer Behörden, die von einem Vorfall mit einem in Florida registrierten Boot berichtet hätten. Es gebe jedoch noch keine gesicherten Erkenntnisse zu Beteiligten, Herkunft oder Ablauf.
Rubio erklärte am Rande eines Aufenthalts in St. Kitts und Nevis, das US-Außenministerium sei seit den frühen Morgenstunden informiert und arbeite eng mit dem Heimatschutzministerium, der Küstenwache und der US-Botschaft in Havanna zusammen. Die Botschaft bemühe sich um Zugang zu möglichen US-Bürgern oder ständigen Residenten unter den Beteiligten. Die Küstenwache sei in das Seegebiet entsandt worden. „Wir werden die Fakten unabhängig verifizieren und dann angemessen reagieren“, sagte Rubio. Spekulationen zu möglichen Szenarien – einschließlich Berichten über eine private Rettungsaktion für Flüchtlinge – lehnte er ab. Solche Aktionen seien illegal und verstießen gegen US-Recht, führten jedoch in der Regel nicht zu Schusswechseln.
Der Minister betonte, der Vorfall sei ungewöhnlich. Schusswechsel auf offener See zwischen Kuba und den USA hätten seit Langem nicht mehr stattgefunden. Die USA würden sich nicht allein auf kubanische Darstellungen verlassen. „Wir treffen keine Entscheidungen auf Basis dessen, was kubanische Behörden sagen“, so Rubio.
Zugleich äußerte sich Rubio zu einer Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Ausfuhr von Treibstoff an den privaten Sektor in Kuba zu erleichtern. Dies sei keine Politikwende, sondern eine Erweiterung bestehender Lizenzen für Verkäufe an private Unternehmen – nicht an den Staat oder militärnahe Firmen wie GAESA. Der private Sektor in Kuba sei klein und könne die Energiekrise des Landes nicht lösen. Die dramatische wirtschaftliche Lage Kubas – mit Zusammenbruch der Stromversorgung und der schlimmsten Krise seit 1959 – sei Folge eines gescheiterten Wirtschaftsmodells und jahrzehntelanger Misswirtschaft. Frühere Subventionen durch die Sowjetunion und Venezuela seien weggefallen. Humanitäre Hilfe, etwa nach Hurrikanen, werde gezielt über die katholische Kirche und nicht über den Staat geleitet. Sollte Treibstoff in den Staats- oder Militärsektor umgeleitet werden, würden Lizenzen sofort widerrufen.
Auf Fragen zu Iran und bevorstehenden Gesprächen verwies Rubio auf die Priorität diplomatischer Lösungen. Präsident Trump bevorzuge Diplomatie, doch Iran stelle eine ernste Bedrohung dar – nicht nur durch sein Atomprogramm, sondern auch durch Tausende Kurzstreckenraketen, die US-Basen und Partner in der Region gefährdeten, sowie durch Marineeinheiten, die den Schiffsverkehr bedrohten. Iran versuche trotz Sanktionen und wirtschaftlicher Not, die Reichweite seiner Raketen auszubauen und strebe Interkontinentalraketen an. Bereits jetzt könnten iranische Raketen Teile Europas erreichen. Die bevorstehenden Verhandlungen konzentrierten sich auf das Atomprogramm; Fortschritte dort seien Voraussetzung für Gespräche über ballistische Raketen. Iran lehne solche Gespräche jedoch ab.
Rubio betonte, ein friedliches Atomprogramm sei möglich – etwa durch oberirdische Reaktoren und importierten Brennstoff oder kleine modulare Reaktoren. Die iranische Forderung nach unterirdischer Urananreicherung – kombiniert mit der Vorgeschichte hoher Anreicherungsgrade und Raketenentwicklung – lasse jedoch Zweifel an rein zivilen Absichten aufkommen. Iran benötige keine eigene Anreicherung für zivile Kernenergie, da das Land über reichlich Erdgas verfüge.