Das Allgäu rückt ins Zentrum der deutschen Luftverteidigung: Das israelisch-amerikanische Raketenabwehrsystem Arrow 3 soll nach Informationen der Allgäuer Zeitung in der Region stationiert werden. Das Bundesverteidigungsministerium habe Kaufbeuren als Standort ausgewählt, teilte das Kommando Luftwaffe dem bayerischen Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl mit.
Geplant ist ein leistungsstarkes Frühwarnradar auf höher gelegenem Gelände nahe Kaufbeuren. Die Abfangraketen sollen am Bundeswehrstandort Lagerlechfeld stationiert werden. Zusammen bilden beide Orte einen von drei geplanten Arrow-Standorten in Deutschland. Ein erster Standort ist bereits in Holzdorf (Sachsen-Anhalt) aktiviert, ein dritter ist im Norden vorgesehen.
Das System soll 2029 vollständig einsatzbereit sein. Parallel wird in Kaufbeuren eine Luftwaffen-Sicherungsstaffel mit rund 140 Soldaten aufgebaut. Arrow 3 ergänzt bestehende Systeme wie Patriot und IRIS-T und schließt eine Fähigkeitslücke bei der Abwehr ballistischer Mittel- und Langstreckenraketen. Es kann Flugkörper aus bis zu 2.400 Kilometern Entfernung bekämpfen und arbeitet nach dem „Hit-to-Kill“-Prinzip: Die Zerstörung erfolgt durch direkte Kollision in Höhen von bis zu 100 Kilometern – also im Übergang zum Weltraum.
Der Kaufvertrag wurde 2023 geschlossen; die Gesamtkosten werden auf rund vier Milliarden Euro geschätzt und aus dem Sondervermögen der Bundeswehr finanziert. Mit Arrow wird Deutschland Teil eines Nato-Luftverteidigungsnetzes gegen Bedrohungen durch ballistische Raketen.
In der Region gibt es auch Bedenken: Einige befürchten, der Standort könne dadurch stärker in den Fokus möglicher Angriffe rücken. Vertreter aus Bundespolitik verweisen darauf, dass es sich um bestehende Militärstandorte handelt und keine konkrete zusätzliche Gefährdung für die Bevölkerung bestehe.
Der Standort liegt nur wenige Kilometer von der Vorarlberger Grenze entfernt und rückt damit eine sicherheitspolitische Entscheidung von internationaler Tragweite in unmittelbare Nähe Österreichs.