Skip to content

Wiederhergestellte Ökosysteme als natürliche Landesverteidigung: „Defensive Rewilding“ vorgeschlagen

Die gezielte Wiederherstellung von Wäldern, Feuchtgebieten und Mooren könnte künftig nicht nur dem Klimaschutz und der Artenvielfalt dienen, sondern auch zur Verteidigung nationaler Grenzen beitragen. Das Konzept des „defensive rewilding“ – also der vorsorglichen oder konfliktbegleitenden Renaturierung von Landschaften zur Erschwerung militärischer Vorstöße – stellen Forscher der University of East London (UEL) in einer neuen Studie vor.

Die im RUSI Journal veröffentlichte Arbeit zeigt, wie renaturierte Ökosysteme als „force multiplier“ für die nationale Sicherheit wirken können, ohne auf teure und umweltschädliche konventionelle Verteidigungsanlagen angewiesen zu sein. Durch die Schaffung von unwegsamem Gelände – etwa durch Wiedervernässung von Mooren, Aufforstung oder Renaturierung von Flüssen – lassen sich Panzerbewegungen verlangsamen, Sicht behindern und Flussübergänge erschweren.

„Anstatt Verteidigung und Klimaschutz als konkurrierende Prioritäten zu sehen, zeigt unsere Forschung, dass sie sich gegenseitig verstärken können“, sagte Sam Jelliman vom Sustainability Research Institute der UEL. „Man kann in Landschaften investieren, die sowohl ökologisch resilienter als auch militärisch sicherer sind.“

Besonders Moore eignen sich laut den Autoren hervorragend: Ihr niedriger Tragfähigkeitswert macht sie selbst für leichte gepanzerte Fahrzeuge schwer passierbar, während sie gleichzeitig zu den effektivsten langfristigen Kohlenstoffspeichern zählen.

Das Konzept basiert auf historischen und aktuellen Beispielen, darunter die gezielte Überflutung von Landschaften im Ersten Weltkrieg und die Rolle von Flüssen und überschwemmten Ebenen in der Ukraine, die russische Panzerangriffe behindert haben. Im Gegensatz zu temporären Maßnahmen wie Minenfeldern oder Befestigungen wirkt „defensive rewilding“ auf strategischer Ebene und bietet langfristige Vorteile.

Die Forscher betonen, dass solche Maßnahmen sorgfältig mit Landnutzung, Governance und Umweltschutz abgewogen werden müssen und nur als Teil einer breiteren Verteidigungsstrategie sinnvoll sind. Dennoch könnten sie kostengünstiger und nachhaltiger sein als herkömmliche Infrastruktur.

Co-Autor Alan Chandler ergänzt: „Naturbasierte Lösungen fordern uns auf, neu zu denken, was Infrastruktur eigentlich bedeutet. Indem wir mit natürlichen Systemen statt gegen sie arbeiten, können wir eine Resilienz aufbauen, die sowohl nachhaltig als auch strategisch ist.“

Die Studie mit dem Titel „Defensive Rewilding: A Nature-Based Solution for National Security“ wurde am 7. April 2026 veröffentlicht.

author avatar
LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände