Am 29. September 2025 erhielt das israelische Rüstungsunternehmen Elbit Systems einen Auftrag über 120 Millionen US-Dollar zur Lieferung von Hermes-900-Drohnen an eine europäische Luftwaffe, vermutlich für maritime Überwachung und Aufklärung (ISTAR). Dieser Deal, Teil eines größeren Fünfjahres-Beschaffungspakets, spiegelt den gestiegenen Bedarf an israelischer Waffentechnologie wider – getrieben durch geopolitische Spannungen, aber auch durch die Einsätze im Gaza-Krieg. Während die humanitäre Lage in Gaza mit über 65.000 Toten und 165.000 Verletzten katastrophal ist1, wirft der Kauf dieser Systeme ernste ethische Fragen auf. Der Konflikt dient als unfreiwillige Bühne für die Leistungsfähigkeit israelischer Rüstungsgüter, doch die Beschaffung solcher Waffen durch europäische Staaten ignoriert die moralischen Implikationen ihrer Verwendung in einem Krieg, der gegen internationales Recht verstößt.
Der Gaza-Krieg als unfreiwillige Werbeplattform
Die Hermes-900-Drohne von Elbit Systems, ein unbemanntes Luftfahrzeug der MALE-Klasse (Medium Altitude Long Endurance), ist für Langzeitüberwachung und Zielerfassung konzipiert. Seit ihrer Einführung 2011 wurde sie von über 20 Ländern bestellt, darunter Brasilien und Kolumbien, und nun von einer europäischen Streitkraft für maritime Aufgaben. Der aktuelle Gaza-Krieg, der seit Oktober 2023 tobt, hat die Nachfrage nach solchen Systemen gesteigert. Die israelischen Streitkräfte (IDF) setzen Hermes-Drohnen intensiv ein, um Aufklärung für Luftangriffe zu liefern, die oft zivile Ziele wie Krankenhäuser, Schulen und Flüchtlingslager treffen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden bis September 2025 mindestens 145 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen registriert, mit über 100 getöteten Medizinern. In der Woche bis 24. September 2025 starben in Gaza-Stadt 357 Menschen, 1.463 wurden verletzt.
Dieser Einsatz macht den Krieg zu einer unfreiwilligen Werbeplattform für Elbit. Die präzise Zielerfassung und Langzeitüberwachung der Hermes-900 wird in Gaza unter realen Bedingungen demonstriert, was ihre Attraktivität für internationale Käufer steigert. Elbits Umsatz kletterte auf 2 Milliarden Dollar pro Quartal, mit einem Auftragsbestand von 24 Milliarden Dollar11. Doch diese „Leistungsnachweise“ basieren auf Einsätzen, die zivile Opferzahlen in die Zehntausende treiben. Der Konflikt wird so zum Marketinginstrument, während die humanitäre Katastrophe eskaliert.
Ethische Fragen beim Waffenkauf
Die humanitäre Lage in Gaza ist verheerend. Die UN meldet akute Hungersnot (IPC Phase 5) für 1,98 Millionen Menschen in Deir al-Balah und Khan Younis, mit 404 Todesfällen durch Unterernährung, darunter 141 Kinder, seit Oktober 20232. Brot kostet über 9 Dollar pro Kilo, verglichen mit 30 Cent in UN-Bäckereien zu Jahresbeginn. 2,5 Millionen Vertriebene leben in unhygienischen Lagern ohne ausreichend Wasser oder Medizin, während nur 7.802 Patienten, davon 5.369 Kinder, evakuiert wurden6. Angriffe auf zivile Infrastruktur, unterstützt durch Systeme wie die Hermes-900, verstoßen laut UN-Experten gegen das humanitäre Völkerrecht (IHL) und könnten Völkermord darstellen.
Trotz dieser Verstöße kaufen europäische Staaten weiter bei Elbit. Der Internationale Gerichtshof (ICJ) sieht ein „plausibles Genozid-Risiko“ in Gaza, und Länder wie Kanada und die Niederlande haben Waffenexporte nach Israel eingestellt. Deutschland, das 30 Prozent der israelischen Rüstungsimporte liefert, stoppte im August 2025 Lieferungen für Gaza-Einsätze. Doch der Kauf von Drohnen, die in diesem Kontext getestet wurden, wirft Fragen auf: Wie können Staaten, die Menschenrechte betonen, Systeme erwerben, die in einem Konflikt mit massiven zivilen Opfern eingesetzt werden? Die EU-Richtlinie gegen IHL-Verstöße wird ignoriert, wenn „Sicherheitsinteressen“ Vorrang haben. Der Kauf signalisiert eine Priorisierung militärischer Effizienz über ethische Verantwortung.
Politische Versäumnisse: Mangel an Konsequenz
Europäische Regierungen zeigen eine eklatante Inkonsequenz. Während sie Israel für Verstöße kritisieren, fördern sie durch Waffenkäufe indirekt die Rüstungsindustrie, die den Krieg antreibt. UN-Experten fordern ein globales Waffenembargo gegen Israel, um weitere IHL-Verstöße zu verhindern. Doch die „geopolitischen Spannungen“, etwa durch den Ukraine-Krieg, dienen als Rechtfertigung für höhere Rüstungsausgaben. Die humanitäre Hilfe bleibt unterfinanziert: Nur 35 Prozent der Hilfskonvois erreichen Gaza, während Elbits Produktion brummt. Statt Druck für einen Waffenstillstand auszuüben, finanzieren europäische Staaten die Technologie, die den Konflikt am Laufen hält. Dies untergräbt die Glaubwürdigkeit westlicher Menschenrechtspolitik und zeigt eine klare Priorisierung wirtschaftlicher und militärischer Interessen.
Fazit: Ethische Verantwortung statt Profite
Der Gaza-Krieg, mit über 65.000 Toten und einer humanitären Katastrophe, dient als unfreiwillige Werbeplattform für israelische Waffensysteme wie die Hermes-900-Drohne. Der 120-Millionen-Dollar-Deal mit einer europäischen Luftwaffe zeigt, wie Konflikte die Rüstungsindustrie ankurbeln – auf Kosten von Zivilisten. Der Kauf dieser Systeme, die in einem Konflikt mit mutmaßlichen Kriegsverbrechen eingesetzt werden, ist ethisch unhaltbar. Europäische Staaten müssen ihre Verantwortung wahrnehmen: Ein Waffenembargo gegen Israel, wie von der UN gefordert, ist überfällig. Ansonsten riskieren sie, durch ihre Käufe Komplizen eines Krieges zu werden, der die Menschlichkeit auf die Probe stellt. Moralische Prinzipien dürfen nicht hinter Sicherheitsinteressen zurückstehen.