Die Debatte um die milliardenschwere Investition der Bundesregierung in Laserwaffen zur Drohnenabwehr – insbesondere den Auftrag an Rheinmetall für Prototypen mit 50 bis 60 Kilowatt Leistung – gewinnt durch einen internationalen Blickwinkel an Tiefe. Während Deutschland auf nationale Eigenentwicklung setzt, um Unabhängigkeit zu wahren, verfolgen die USA einen breiten, modularen Ansatz mit Fokus auf Skalierbarkeit und schnelle Feldtests. Beide Länder ringen mit ähnlichen Herausforderungen: der Kostenexplosion konventioneller Abwehr (z. B. Raketenabschüsse im Wert von Millionen pro Einsatz) und der Bedrohung durch günstige Drohnenschwärme, wie sie im Ukraine-Konflikt oder durch Huthi-Angriffe im Roten Meer demonstriert werden. Laser bieten hier eine attraktive Alternative: Pro Abschuss nur Stromkosten in Höhe von wenigen Euro, unbegrenzte Munition und präzise Zerstörung durch Erhitzen kritischer Komponenten. Dennoch unterscheiden sich die Programme in Reifegrad, Integration und Budgetierung erheblich.
Deutsche Systeme: Rheinmetall und MBDA im Vormarsch
Deutschland investiert seit Jahren in hochenergetische Laser (High-Energy Lasers, HEL) als Ergänzung zu etablierten Systemen wie dem Skyranger 30, das Drohnen mit 30-mm-Kanonen oder integrierten Lasern bekämpft. Der jüngste Auftrag an Rheinmetall umfasst die Entwicklung dreier Prototypen für maritime Anwendungen, die Drohnen auf See bis zu einer Kilometer Reichweite neutralisieren sollen. In Kooperation mit MBDA zielt das System auf 50–60 kW Leistung ab, was für die Zerstörung kleiner und mittlerer UAVs ausreicht. Erste Tests auf der Fregatte „Sachsen“ im Jahr 2022 zeigten Erfolge: Über 100 Schüsse trafen Ziele unter realistischen Bedingungen, inklusive Störungen durch Wellengang und Wetter. Die Systeme sind modular aufgebaut, mit Sensoren wie Radar (X- und S-Band), Infrarotkameras und Laser-Entfernungsmessern, die in das Skymaster-Kommando-System integriert werden. Ziel ist die Einsatzbereitschaft bis Ende des Jahrzehnts, mit einem Gesamtbudget aus dem 100-Milliarden-Sondervermögen, das bis 2029 auf 650 Milliarden Euro ansteigen soll. Kritiker wie der EOS-Manager Andreas Heimann bemängeln jedoch die fehlende Ausschreibung und höhere Kosten im Vergleich zu importierten Alternativen.
US-Systeme: Breites Spektrum von Raytheon und Co.
Die USA, mit einem Rüstungsbudget von über 800 Milliarden Dollar jährlich, setzen auf eine diversifizierte Palette an HEL-Systemen, die bereits in Prototypen und Feldtests eingesetzt werden. Raytheon (RTX) dominiert mit dem High-Energy Laser Weapon System (HELWS), das Drohnen bis zu 3 Kilometer entfernt erfasst und zerstört. Das 50-kW-System auf Stryker-Fahrzeugen (DE M-SHORAD) bekämpft Schwärme aus Mörsern und großen Drohnen in komplexen Szenarien. Für maritime Bedrohungen entwickelt das Navy HELIOS (60 kW) für Zerstörer, das 2025 erprobt wird und Drohnen sowie Raketen abfängt. Neueste Ergänzungen sind die 10-kW-Palettenlaser der Air Force (H4), mobil und vielseitig einsetzbar, sowie das von AeroVironment gelieferte LOCUST (20 kW), das im Oktober 2025 auf Joint Light Tactical Vehicles montiert wird. Das US Army Rapid Capabilities Office plant für 2026 einen Wettbewerb für skalierbare Laser mit Line-Replaceable Units, die im Feld austauschbar sind – ein Fokus auf Wartungsfreundlichkeit, der deutsche Systeme übertrifft. Tests in New Mexico und Arizona haben Erfolge gegen Drohnenschwärme gezeigt, mit Kosten pro Schuss unter 10 Dollar.
Direkter Vergleich: Stärken, Schwächen und Implikationen
Beide Nationen teilen den Kernvorteil von Lasern: Geschwindigkeit (Lichtgeschwindigkeit), Präzision und Kosteneffizienz im Vergleich zu Raketen, die bei Huthi-Angriffen 2 Millionen Dollar pro Abschuss verschlingen. Deutsche Systeme punkten mit enger Integration in nationale Plattformen wie die Boxer-Panzer oder Fregatten, was Abhängigkeiten minimiert, aber Verzögerungen durch Eigenentwicklung birgt – Prototypen sind noch in der Testphase, mit voller Einsatzfähigkeit erst 2030 erwartet. US-Systeme sind reifer: HELIOS und DE M-SHORAD sind bereits deploybar, mit höherer Leistung (bis 300 kW in Planung) und besserer Skalierbarkeit für Schwärme. Während Deutschland auf Kooperationen wie Rheinmetall-MBDA setzt, kooperieren die USA mit Dutzenden Firmen (Raytheon, Lockheed Martin, BlueHalo), was Innovation beschleunigt, aber Kompatibilitätsprobleme schafft. Ein Nachteil für beide: Atmosphärische Störungen wie Nebel oder Staub reduzieren die Reichweite; die USA investieren hier stärker in adaptive Optik.
| Kriterium | Deutsche Systeme (Rheinmetall/MBDA) | US-Systeme (Raytheon et al.) |
|---|---|---|
| Leistung | 50–60 kW (Prototypen) | 10–60 kW (deploybar), bis 300 kW geplant |
| Reichweite | Bis 1 km (getestet) | Bis 3 km (HELWS) |
| Plattformen | Maritime (Fregatten), Bodenfahrzeuge | Stryker, Zerstörer, Paletten, JLTV |
| Status | Tests erfolgreich, Einsatz 2030 | Feldtests 2025, teilweise operational |
| Kosten pro Schuss | < 10 € (geschätzt) | < 13 $ (DragonFire-ähnlich) |
| Schwächen | Weniger Skalierbarkeit, höhere Entwicklungskosten | Komplexe Integration in Legacy-Systeme |
Ausblick: Lektionen für Europa
Der Vergleich unterstreicht, dass die US-Strategie – mit Fokus auf Wettbewerb und Modularität – effizienter gegen die Drohnenflut wirkt, die in der Ukraine 60–70 Prozent der Schäden verursacht. Deutschland könnte von US-Modellen profitieren, etwa durch NATO-Standardisierung, um Abhängigkeiten von Rheinmetall zu reduzieren und Kosten zu senken. Experten plädieren für hybride Ansätze: Laser mit Jamming und Kinettik, um Wettereinflüsse auszugleichen. In Zeiten geopolitischer Spannungen, wo Drohnen aus Russland oder dem Nahen Osten drohen, könnte eine engere transatlantische Kooperation die europäische Abwehr stärken – vorausgesetzt, Transparenz und Wettbewerb siegen über nationale Protektion.
Quellen und verifizierte Links
- Breaking Defense: Lasers on ships by 2030: Rheinmetall and MBDA launch joint bid
- The Defense Post: Rheinmetall, MBDA to Jointly Develop Maritime Laser Weapon
- National Interest: NATO Navies Could Soon Be Firing Laser Weapons
- Wikipedia: Laser weapon
- RTX (Raytheon): High-Energy Lasers
- Defense News: Army readies to launch 2026 competition for counter-drone laser weapon
- The New York Times: The Hottest New Defense Against Drones? Lasers
- The Defense Post: US Army Gets First Two Counter-Drone Laser Weapons From AV
- Interesting Engineering: ‘World’s cheapest shot’ laser zaps 50 drones a minute with 150kW beam
- Norsk Luftvern: Counter-Drone Systems Comparison: C-UAS Technology Assessment