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Militärhilfe für Kiew sinkt stark trotz neuer NATO-Maßnahme

Das Kiel Institute for the World Economy meldet in seiner aktuellen Aktualisierung des Ukraine Support Trackers einen deutlichen Rückgang der militärischen Hilfen für die Ukraine in den Monaten Juli und August 2025. Trotz des Starts der NATO-Initiative Prioritized Ukraine Requirements List (PURL) fiel die Unterstützung um 43 Prozent im Vergleich zur ersten Jahreshälfte. Im Gegensatz dazu blieben finanzielle und humanitäre Hilfen stabil und werden vorwiegend von EU-Institutionen getragen. Der Tracker erfasst seit dem 24. Januar 2022 alle staatlichen Zusagen für militärische, finanzielle und humanitäre Maßnahmen an die Ukraine.

Die PURL-Initiative, die im Juli 2025 auf einem Treffen zwischen NATO-Generalsekretär Mark Rutte und US-Präsident Donald Trump vereinbart wurde, ermöglicht es der NATO, sofort einsatzbereite Waffen aus US-Beständen für die Ukraine zu beschaffen. Die Finanzierung übernehmen andere Mitgliedstaaten. Bis August beteiligten sich acht Länder – Belgien, Kanada, Dänemark, Deutschland, Lettland, die Niederlande, Norwegen und Schweden – mit insgesamt 1,9 Milliarden Euro. Dennoch konnte diese Maßnahme den Gesamtrückgang der militärischen Hilfen nicht aufhalten. Nachdem die USA zu Jahresbeginn 2025 neue Pakete aussetzten, hatten europäische Staaten in der ersten Jahreshälfte ihre Unterstützung massiv ausgebaut und so die Niveaus der Jahre 2022 bis 2024 übertroffen. Im Sommer brach dieser Schwung jedoch ein: Europäische Zusage für Militärhilfen sanken um 57 Prozent, selbst unter Einbeziehung der PURL-Beiträge.

Experten des Instituts sehen in der PURL ein wertvolles Mittel, um die Ukraine kurzfristig mit einsatzbereiten Systemen auszustatten, da Neubeschaffungen oft Monate oder Jahre dauern. Der Rückgang im Sommer sei dennoch unerwartet und signalisiere eine Skalierung europäischer Militärhilfen zurück. Entscheidend sei nun die Entwicklung in den Herbstmonaten, um die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine zu sichern. Christoph Trebesch, Leiter des Trackers und Forschungsdirektor am Kiel Institute, betont, dass die Ukraine auf kontinuierliche militärische Unterstützung angewiesen ist, um ihre Bodenoperationen aufrechtzuerhalten.

Bei finanziellen und humanitären Hilfen hingegen herrscht Stabilität: Zwischen Juli und August wurden 7,5 Milliarden Euro zugesagt, was dem Niveau früherer Perioden entspricht. Davon stammen 86 Prozent aus EU-Quellen, darunter 5,4 Milliarden Euro aus dem Ukraine Facility und eine Milliarde Euro über das ERA-Darlehensmechanismus. Diese Konstanz, auch ohne US-Beiträge, wird als positives Signal gewertet und sollte sich idealerweise auf die militärische Sphäre auswirken.

Der Ukraine Support Tracker umfasst Zusagen von 40 Ländern – darunter EU-Mitglieder, G7-Staaten sowie Australien, Südkorea, die Türkei, Norwegen, Neuseeland, die Schweiz, China, Taiwan und Indien – plus EU-Institutionen als separaten Spender. Er berücksichtigt nur staatliche Verpflichtungen, quantifiziert Sachleistungen wie Ausrüstung anhand von Marktwerten und basiert auf offiziellen Quellen sowie Medienberichten. Der Fokus liegt auf direkten Transfers an die Ukraine; Hilfen an Nachbarstaaten wie Moldau oder private Spenden werden ausgeschlossen. Die Datenbank wird laufend erweitert und korrigiert; Verbesserungsvorschläge sind willkommen.

Diese Erkenntnisse passen zu früheren Analysen des Instituts, etwa aus dem Jahr 2022, als die USA ihre Unterstützung ausbauten, während Europa zurückblieb. Ähnliche Trends in der Global Militarisation Index oder Studien zu internationalen Krediten unterstreichen die anhaltenden Herausforderungen in der globalen Hilfenverteilung.

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