New Brunswick (LabNews Media LLC) – Die wissenschaftliche Grundlage für die Anerkennung bestimmter Atemwegserkrankungen als dienstbedingt bei Veteranen, die an offenen Verbrennungsgruben (Burn Pits) in Irak und Afghanistan ausgesetzt waren, stammt maßgeblich aus Rutgers. Ein neues statistisch-methodisches Verfahren, das J. Scott Parrott und sein Team an der Rutgers School of Health Professions entwickelt haben, ermöglichte der US-Veteranenbehörde VA im Dezember 2024 die Umsetzung entscheidender Regelungen des Promise to Address Comprehensive Toxics (PACT) Act von 2022.
Die Arbeit wurde nun in der Fachzeitschrift Evidence-Based Toxicology veröffentlicht (erschienen am 4. Februar 2026).
Das Team um Parrott entwickelte eine innovative abduktive Inferenz-Methode zur Bewertung der „Weight of Evidence“. Statt auf den für Kriegsgebiete unmöglichen Goldstandard randomisierter kontrollierter Studien zu warten, bewertet das Verfahren die Gesamtheit aller verfügbaren Belege – präklinische, klinische, umweltbezogene und epidemiologische Daten – und prüft, ob es eine andere plausible Erklärung als den Zusammenhang mit der Burn-Pit-Exposition gibt.
„Wir konnten nicht im strengsten Sinne ‚beweisen‘, dass die Exposition zu bestimmten interstitiellen Lungenerkrankungen und konstruktiver Bronchiolitis führt“, sagte Parrott. „Aber wir konnten zeigen, dass keine andere plausible Erklärung existiert. Das war stark genug, um die Politik zu verändern.“
Die VA übernahm das Verfahren und integrierte es in die neuen Regeln zur Umsetzung des PACT Act. Dadurch können nun bestimmte Atemwegserkrankungen bei Veteranen, die im Südwestasien-Theater gedient haben, leichter als dienstbedingt anerkannt und mit Leistungen versehen werden.
„Normalerweise veröffentlicht man die Forschung und dann ändert sich die Politik. Diesmal war es genau umgekehrt“, sagte Parrott. „Die Dringlichkeit für die betroffenen Veteranen war einfach zu groß.“
Die Studie kommt zu dem klaren Schluss: „Die Gesamtheit der Belege spricht dafür, dass der Einsatz im Südwestasien-Theater das Risiko für eine Untergruppe interstitieller Lungenerkrankungen und konstruktiver Bronchiolitis erhöht.“
Für Parrott ist das Thema auch persönlich: Sein Schwiegersohn James Petty, Veteran mehrerer Einsätze im Irak und in Afghanistan, leidet seitdem an einer seltenen Lungenerkrankung mit chronischen Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Beschwerden.
Rutgers betreibt inzwischen die vom VA genutzte Evidence-Synthesis-Plattform weiter und entwickelt zusätzlich den Einsatz von Large-Language-Modellen (KI), um künftige Evidenz-Reviews schneller und dennoch methodisch robust durchführen zu können.
Die Arbeit trägt den Titel „An abductive inferential system approach to weight of evidence syntheses: the problem and military exposures worked example“.
(Quelle: Rutgers University)