Das unterirdische Labor in Nevada, in dem die USA subkritische Kernwaffenexperimente durchführen, ist von zahlreichen Verwerfungen (Faults) durchzogen. Ob diese Verwerfungen aktiv sind und bei einem Erdbeben reißen könnten, wurde bislang nicht geklärt. Das hat die Defense Nuclear Facilities Safety Board (DNFSB) festgestellt und eine umfassende Analyse gefordert.
Während einer Sicherheitsüberprüfung im Jahr 2024 entdeckte die Behörde umfangreiche Dokumentationen zu Verwerfungen und damit verbundenen Phänomenen wie Gesteinsverschiebungen im Principal Underground Laboratory for Subcritical Experimentation (PULSE) auf dem Nevada National Security Site. Verwerfungen sind dort seit mindestens 1989 bekannt, wurden jedoch nie auf ihre Aktivität und ihr seismisches Potenzial untersucht.
Die DNFSB kritisiert, dass die bestehenden und geplanten seismischen Sicherheitsmaßnahmen im Labor die Auswirkungen von Erdbebenschwingungen und möglichen Verschiebungen entlang dieser Verwerfungen nicht berücksichtigen. Ein unkontrollierter Ausbruch eines subkritischen Experiments könnte radioaktives Material freisetzen und sowohl die Mitarbeiter im Labor als auch benachbarte Gemeinden gefährden.
Yong Li, Senior Scientist der DNFSB, und Kollegen haben das Labor besucht und Verwerfungen in vielen Tunnelabschnitten dokumentiert – darunter deutliche Anzeichen von Gesteinsverschiebungen und „slickensides“ (polierte Gleitflächen). Die mögliche Verschiebung bei einem Erdbeben könnte 5 Meter oder mehr betragen und die Tunnelstruktur selbst beschädigen.
„Unsere Hauptsorge ist, dass bei einem Erdbeben etwas auf das Experimentierpaket stürzen und es auslösen könnte“, sagte Ingenieur Austin Powers von der DNFSB. Die Infrastruktur und die Ausrüstung müssten seismisch so ausgelegt sein, dass sie auch bei aktiven Verwerfungen nicht versagen.
In einem Brief an US-Energieministerin Jennifer Granholm im Juli 2024 hat die Behörde auf die Problematik hingewiesen. Das Energieministerium (DOE) antwortete im Dezember 2024, es werde einen detaillierten Untersuchungsplan für die historische seismische Aktivität der Verwerfungen in der Umgebung von PULSE entwickeln. Bisher seien jedoch keine konkreten Maßnahmen ergriffen worden.
Die Ergebnisse wurden von Mitgliedern der DNFSB auf dem Jahrestreffen der Seismological Society of America (SSA) 2026 vorgestellt.
PULSE liegt etwa 300 Meter unter der Oberfläche. Dort werden subkritische Experimente mit spaltbarem Material und konventionellen Sprengstoffen durchgeführt, um die Zuverlässigkeit des bestehenden Atomwaffenarsenals zu prüfen, ohne eine kritische Kettenreaktion auszulösen. Mit der geplanten Erweiterung des Labors soll die Zahl der Experimente weiter steigen.
Die Sicherheitsbehörde fordert nun dringend eine Altersbestimmung und seismische Bewertung der Verwerfungen, um die Sicherheitskonzepte des Labors entsprechend anzupassen.