Erzbischof Timothy Broglio, zuständig für die Seelsorge in den US-Streitkräften, hält eine militärische Aktion der USA zur Eroberung Grönlands für nicht gerechtfertigt. In einem Interview mit der BBC am 18. Januar erklärte er, US-Soldaten könnten einen solchen Befehl aus Gewissensgründen verweigern.
Broglio, früherer Vatikandiplomat und bis November 2025 Vorsitzender der US-Bischofskonferenz, sieht keine Umstände, unter denen eine US-Militäroperation gegen Grönland oder ein anderes verbündetes Territorium die Kriterien eines gerechten Krieges nach kirchlicher Lehre erfüllen könnte. Die Rhetorik der Regierung Trump zu Grönland schade dem Ansehen der Vereinigten Staaten.
Auf die Frage, ob er sich um katholische Soldaten sorge, die möglicherweise an einer solchen Operation beteiligt werden könnten, antwortete Broglio: Natürlich sei er besorgt. Soldaten könnten in eine moralisch fragwürdige Situation geraten. Es wäre für sie sehr schwierig, einen Befehl zu missachten, doch aus Gewissensgründen moralisch akzeptabel. Das könne die Betroffenen jedoch in eine unhaltbare Lage bringen.
Broglio betonte, Grönland sei dänisches Territorium und Dänemark NATO-Verbündeter. Eine militärische Aktion gegen eine befreundete Nation erscheine nicht vernünftig. Die USA verfügten bereits über Militärpräsenz auf Grönland. Internationales Recht und moralische Grundsätze müssten beachtet werden.
Hintergrund sind wiederholte Forderungen von Präsident Trump nach vollständiger Kontrolle über Grönland. Er verlangt von Dänemark den Verkauf des Gebiets und droht andernfalls mit harten Mitteln, einschließlich Zöllen gegen Dänemark und andere europäische Länder. Das Weiße Haus bezeichnet militärische Gewalt als Option. Trump erklärte in einem Interview, das Einzige, was ihn einschränke, sei seine eigene Moral – er brauche kein Völkerrecht.
Drei US-Kardinäle – Blase Cupich aus Chicago, Robert McElroy aus Washington und Joseph Tobin aus Newark – äußerten sich am 19. Januar gemeinsam besorgt über die US-Außenpolitik. Sie kritisieren, dass grundlegende Fragen zu Souveränität, Gemeinwohl und Frieden oft parteipolitisch verengt diskutiert würden. Die moralische Rolle der USA bei der Bekämpfung des Bösen, der Wahrung des Lebensrechts, der Menschenwürde und der Religionsfreiheit stehe auf dem Prüfstand. Die Kardinäle lehnen Krieg als Mittel zur Durchsetzung engstirniger nationaler Interessen ausdrücklich ab und fordern eine Außenpolitik, die Menschenwürde, Lebensrecht und Religionsfreiheit weltweit respektiert und fördert.
Die Äußerungen Broglios und der Kardinäle erfolgen vor dem Hintergrund zunehmender internationaler Spannungen um Grönland. Sie unterstreichen die Haltung der katholischen Kirche, dass militärische Gewalt gegen Verbündete weder moralisch noch rechtlich vertretbar sei. Broglio betonte seine Pflicht, sich zu äußern, auch wenn die Bereitschaft der Mächtigen, auf katholische Führer zu hören, ungewiss sei.
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