London (LabNews Media LLC) – Der sogenannte „grüne Übergang“ der Streitkräfte wird in einer neuen wissenschaftlichen Analyse als strategische Chance zur Stärkung militärischer Fähigkeiten und wirtschaftlicher Interessen kritisiert. Die Studie mit dem Titel „The military green transition: Decarbonisation as warfighting opportunity“ erschien in der Fachzeitschrift Political Geography.
Autor N. Edwards argumentiert, dass viele Militärs und Rüstungsunternehmen die Dekarbonisierung nicht primär als klimapolitische Notwendigkeit, sondern als „warfighting opportunity“ begreifen. Durch den Umbau auf alternative Energien, effizientere Logistik und neue Technologien sollen operationelle Vorteile auf dem Gefechtsfeld sowie neue Absatzmärkte erschlossen werden.
Die Analyse zeigt, dass sogenannte „Green Militarism“-Projekte häufig bestehende imperiale und militärische Strukturen aufrechterhalten oder sogar ausbauen. Anstatt Emissionen substantiell zu reduzieren, dienten viele Initiativen vor allem der Legitimation und Modernisierung militärischer Präsenz sowie der Sicherung geopolitischer und wirtschaftlicher Interessen.
Kritisch wird auch gesehen, dass der Fokus auf technologische Lösungen (z. B. synthetische Kraftstoffe, Elektrifizierung von Fahrzeugen oder energieeffiziente Waffensysteme) die grundsätzliche Frage nach der Notwendigkeit und dem Umfang militärischer Aktivitäten ausblendet. Gleichzeitig werde der militärische Sektor oft von verbindlichen Klimazielen ausgenommen oder nur unzureichend erfasst.
Die Studie warnt davor, dass der „grüne“ Umbau der Streitkräfte zu einer weiteren Verschärfung sozio-ökologischer Konflikte beitragen könne, wenn er nicht mit einer grundsätzlichen Reduzierung militärischer Aktivitäten und Rüstungsausgaben einhergehe.
Die Arbeit liefert einen kritischen Beitrag zur aktuellen Debatte über die Rolle der Militärs in der Klimakrise und fordert eine stärkere Einbeziehung militärischer Emissionen in internationale Klimapolitik.
