Dossier: PFAS-Quellen auf US-Militärbasen

By | 2026-09-14

Der wichtigste dokumentierte Eintragspfad auf Stützpunkten der Vereinigten Staaten ist filmbildender Löschschaum, englisch Aqueous Film Forming Foam (AFFF). Das US-Verteidigungsministerium setzt ihn seit den 1970er-Jahren gegen Flüssigkeits- und Treibstoffbrände ein. Freisetzungen entstanden bei Übungen, echten Einsätzen, Tests von Hangar-Löschanlagen, Unfällen und dem Entsorgen von Schaumresten. Über Boden und Grundwasser gelangen Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) ins Trinkwasser auf und neben dem Gelände.

Das Government Accountability Office (GAO) zählte etwa 1500 feste Anlagen und mehr als 6800 mobile Geräte mit AFFF. Bis Juni 2024 hatte das Ministerium 718 Standorte mit möglicher PFAS-Freisetzung erfasst. Fast alle hatten die erste Untersuchungsstufe nach dem Superfund-Verfahren durchlaufen. Die geschätzten künftigen Untersuchungs- und Sanierungskosten lagen über 9,3 Milliarden US-Dollar.

Weitere von der Behörde selbst genannte Quellen neben dem Schaum sind Metallbeschichtung mit Dampfunterdrückung, Autowaschanlagen und Waschrampen, Deponien und Schuttplätze, Sickergruben und Kläranlagen, Schlammtrockenbeete, Fotolabore, Fahrzeugwartung und Motorpools sowie Teflon-Beschichtung und deren Entfernung. Absturz- und Brandstellen von Flugzeugen gehören ebenfalls dazu. Nicht jede Quelle an jedem Standort ist gleich stark. AFFF an Feuerwehrschulen und Flugfeldern prägt typischerweise die höchsten Grundwasserwerte, oft mit Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) aus älteren 3M-Schäumen.

Die Studie der Brown University zu Blutwerten jüngerer Veteranen nannte als mögliche Belastungswege Löschschäume, Munition und Grundwasser. Munition ist in den Behördenlisten weniger zentral als AFFF. Sie bleibt eine Hypothese, kein gemessener Anteil in jener Querschnittstudie.

Was sich geändert hat

Für Übungen und Tests ohne vollständige Rückhaltung gilt AFFF auf Landanlagen weitgehend als beendet. Der Kauf für Landanwendungen stoppte im Oktober 2023. Der gesetzliche Ausstieg nach dem National Defense Authorization Act war auf den 1. Oktober 2024 gesetzt, mit zwei möglichen Jahresverzichtserklärungen bis Oktober 2026. Bordschiffe waren ausgenommen. Umgestellt wird auf fluorfreie Schäume. Alte Konzentrate in Hangars und Fahrzeugen werden abgezogen. Das ersetzt keine Sanierung bereits versickerter Stoffe. Modellarbeiten zu Übungsplätzen rechnen mit Verweilzeiten von PFOS und Vorläuferstoffen von Jahrzehnten bis Jahrhunderten, wenn nicht saniert wird.

Das Department of Veterans Affairs verweist darauf, dass AFFF die Hauptquelle der Belastung durch den Dienst sei. Das Verteidigungsministerium untersucht Trinkwasser und benachbarte Gemeinden. Die Environmental Protection Agency (EPA) hat 2024 nationale Trinkwassergrenzwerte für mehrere PFAS gesetzt. PFOA und PFOS gelten unter dem Superfund-Gesetz als gefährliche Stoffe.

Ähnliche Muster gibt es an Stützpunkten anderer Staaten, etwa wo US-Kräfte AFFF nutzten. Die Höhe der Werte ist standortabhängig. Wer auf oder neben einem Übungsflugfeld gelebt oder als Feuerwehrkraft gearbeitet hat, hatte in Untersuchungen oft die höchste Exposition. Blutwerte allein beweisen keine Erkrankung. Ob Screening sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt anhand von Dienstzeit, Tätigkeit und lokalen Wassermessungen.

author avatar
LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Author: LabNews Media LLC

LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände