Barcelona/Uschhorod – Internationale Wissenschaftshilfe sollte im Krieg nicht vor allem Studierende ausreisen lassen, sondern Expertise ins Land holen. Das fordern Roderic Guigó (Centre for Genomic Regulation, Barcelona), Taras Oleksyk (Nationale Universität Uschhorod und Oakland University) und Fyodor Kondrashov (Okinawa Institute of Science and Technology) in Nature Genetics (DOI: 10.1038/s41588-026-02702-y). Der Text beschreibt das Sommerprogramm UBDS3, keine randomisierte Studie.
Krieg zerstört Labore und zerreißt Mentoring, Kooperationen und informelle Netze. Das Kriegsrecht hindert die meisten männlichen Studierenden und Nachwuchskräfte an der Ausreise. Auslandsmodelle schließen sie aus.
UBDS3 kehrt das um: Dozierende aus Europa, Nordamerika und Asien unterrichten zweisprachig in Uschhorod, der westlichsten Stadt der Ukraine. Ein zweiwöchiger Pilot 2023 zog mehr als hundert Teilnehmende an. Seither findet die Schule jeden Sommer kostenfrei statt; Reise, Unterkunft und Verpflegung sind übernommen. Förderung kommt unter anderem von der Zimin Foundation und der EMBO. 2026 unterrichteten fünf Nachwuchskräfte aus dem Raum Barcelona mit.
Biologische Datenwissenschaft existierte in der Ukraine zuvor nicht als organisiertes Feld. Eine neue Genomik-Einheit an der Universität Uschhorod habe Diagnosen bei einer seltenen, behandelbaren Diabetesform korrigiert, heißt es. Die Forschung hänge an den ausgebildeten Leuten. Dezentrale Cloud-Arbeit laufe auch bei Stromausfall und Luftalarm weiter. Ehemalige Teilnehmende kehren als Lehrende zurück.
Die Autoren übertragen das Modell auf Klimaschäden, Energiekrisen, Cyberangriffe und Fördereinbrüche. Ob Uschhorod ein „Cambridge der Ukraine“ wird, bleibt Ziel, nicht Befund. Der Beitrag ist ein Erfahrungsbericht mit politischer Empfehlung.
