EU-Ermittler fordern Marineeinsatz gegen Kokainschmuggler im Atlantik

By | 2026-07-16

Brüssel – Europäische Anti-Drogen-Ermittler fordern den verstärkten Einsatz von Marineverbänden im Kampf gegen Kokainschmuggler im Atlantik. Das geht aus einem vertraulichen „Call to Action“-Dokument der EU-Organisation MAOC-N hervor, das NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung vorliegt.

In der Risikoanalyse aus dem Frühjahr 2026 wird insbesondere die wachsende Bedeutung Westafrikas als Transitregion sowie der zunehmende Einsatz von Halbtauch-U-Booten und schnellen Speedbooten („Go-Fast-Boote“) als besondere Herausforderung genannt. Um wirksam gegen die kriminellen Banden vorgehen zu können, seien rechtliche Anpassungen in den EU-Staaten erforderlich. Dazu gehöre die Möglichkeit, Marineeinheiten vor Westafrika und im Seegebiet zwischen den Azoren und den Kanaren einzusetzen. Zudem müssten rechtliche Grundlagen geschaffen werden, um gezielt auf die Motoren der Schmugglerboote schießen zu dürfen („disabling fire“).

Nach Schätzungen von MAOC-N wurden allein im Jahr 2025 rund 700 Tonnen Kokain nicht abgefangen, weil den Strafverfolgungsbehörden die notwendigen Mittel fehlten. Die Banden haben ihre Taktik verändert: Statt den Transport ausschließlich über große Containerhäfen wie Antwerpen, Rotterdam oder Hamburg abzuwickeln, wird Kokain inzwischen oft auf dem offenen Meer von großen Schiffen auf schnelle Speedboote umgeladen. Diese Boote erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern und steuern anschließend die europäische Küste oder über Flüsse das Hinterland an.

Europol-Direktor Andy Kraag spricht von einem „Kokainhighway“ zwischen den Azoren und den Kanaren. Dabei würden hunderte Go-Fast-Boote eingesetzt, um teilweise zehn bis 30 Tonnen Kokain umzuladen.

Seit 2024 wurden bei Einsätzen gegen diese Boote 14 europäische Beamte verletzt und fünf getötet. Die Europäische Kommission hat das Problem inzwischen erkannt und befindet sich mit den Mitgliedstaaten im Austausch. Marineeinheiten der Mitgliedstaaten könnten demnach „eine wichtige Rolle“ bei der Bekämpfung des Schmuggels spielen.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums lehnte einen Einsatz der Bundeswehr zur Kriminalitätsbekämpfung im Atlantik jedoch ab. Ein solcher Einsatz sei grundsätzlich nicht vorgesehen.

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